Serie zum Thema Sicherheit - Teil 5
"Wir sind alle mitverantwortlich für die Sicherheit"
Forum pro Wallisellen: Auswertung der Befragung
In Wallisellen fühlen
sich die Einwohner und Einwohnerinnen weniger sicher als auch schon.
Das hat reale Gründe, aber auch eine subjektive Komponente. Was
braucht es, damit sich die Walliseller wieder wohler fühlen?
Vorstand
Forum pro Wallisellen
Berichte über Vandalenakte, Gewalt und Drohungen
auf Schulwegen und Pausenplätzen, Diebstähle und Einbrüche
verunsichern vor allem ältere Personen und Frauen. Die Ursachen
dieser Verunsicherung liegen aber tiefer. Die gesellschaftlichen Bindungskräfte
sind schwächer geworden. Die Erosion der sozialen Solidarität
geht einher mit den Kräften eines intensiven Individualismus und
Konsumismus. Die spontane Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfe scheint
davon ebenso betroffen wie die persönliche und elterliche Verantwortung.
Kontaktfreude und höfliche Umgangsformen, früher selbstverständlich,
sind auf dem Rückzug. Und Jugendliche suchen, wie frühere Generationen
auch, Bestätigung und Ansehen, wobei sie allerhand anstellen. Das
alles geht aus den in den letzten vier AvA-Ausgaben publizierten Interviews
hervor. Dabei ist erstaunlich, wie ähnlich die Schilderungen und
Analysen von älteren Personen, Frauen, Lehrkräften, Jugendlichen
und Polizei ausfallen.
Walliseller Sonderfaktoren
Zu den allgemeinen
Phänomenen gesellen sich in unserer Gemeinde noch lokale Faktoren.
Die Verschlechterung der Umweltqualität infolge des wachsenden Flug-
und Autoverkehrs wirkt sich stark auf die Zusammensetzung der Bevölkerung
aus und begünstigt die Anonymisierung. Das für Velofahrer und
Fussgänger unfreundliche Dorfbild und die mangelhafte Durchmischung
in der Zonennutzung hinterlassen unbelebte Räume, in denen sich
Unsicherheit ausbreiten kann.
Niemand fühlt sich zuständig
In Afrika gibt es ein Sprichwort: Zur Erziehung eines Kindes braucht
es ein ganzes Dorf. Das hinter diesem Satz verborgene Gesellschaftsbild
geht davon aus, dass jeder Einzelne sich zuständig fühlt, einmischt
und mithilft. Wer bei uns getraut sich heute noch, ein Kind, das nicht
seines ist, zurechtzuweisen, wenn es sich in der Öffentlichkeit
schlecht benimmt? Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten, dies
freundlich zu tun. Und eigentlich wissen wir alle: Kinder und Jugendliche
warten darauf, dass die Erwachsenen reagieren. Sie brauchen diese Zuwendung
und Korrektur für ihre Entwicklung.
Falsch verstandene Vorstellungen
von Freiheit haben dazu geführt, dass sich die meisten Menschen
ins Private zurückziehen und sich nicht mehr um ihre Um-Welt kümmern.
So hat sich der öffentliche Raum entleert. Und das Auto, mit dem
man sich "draussen" hauptsächlich bewegt, ist zu einem
mobilen Privatreich geworden.
Rückeroberung des öffentlichen
Raumes
Eine Gesellschaft, welche die Anonymisierung überwinden will,
nutzt die Chancen zur Wiederbelebung des öffentlichen Raumes. Das
ist teilweise eine Aufgabe der Raum- und Verkehrsplanung, der Sozialpolitik,
der Erziehungs- und Schulpolitik, des politisch-polizeilichen Bereichs.
In noch grösserem Masse ist es aber eine gesellschaftliche Aufgabe.
Sicherheit ist kein Konsumgut, es ist ein Gesellschaftsgut, das wir uns
gegenseitig verschaffen, indem wir eine Kultur der Kontaktfreude und
Solidarität leben, eine Kultur, die niemanden ausschliesst oder
gar diskriminiert. Integration schafft Gemeinsamkeit und damit Sicherheit.
Kontakt schafft Vergnügen oder manchmal das Gegenteil, immer aber
Kontrolle, soziale Kontrolle.
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