Den Notwendigkeiten Rechnung getragen
FpW: Bericht vom Forumstamm
Die zahlreich erschienenen Anwesenden stimmten allen Geschäften
nach eingehenden Diskussionen mit vernehmlichem Knurren zu.
Zunächst stellte Margrit Geertsen die Budgets 2006 sowie die Bauabrechnung
des Mehrzweckgebäudes vor. Die Zahlenakrobatik der vorgelegten Abrechnung
bot viel Stoff für Unmut. Eine Kostenüberschreitung von 1.066
Mio. ist schliesslich keine Kleinigkeit und wäre eigentlich ein Grund
gewesen, rechtzeitig einen Nachtragskredit der Gemeindeversammlung vorzulegen.
Besonders wenn man bedenkt, dass noch im Sommer Frau Stark eine entsprechende
Anfrage an den Gemeinderat gerichtet hat. Damals vermutete der Gemeinderat
noch Kostenüberschreitungen in der Höhe von 285‘000. Der
Versuch, die Kostenbeiträge von Kanton und Lotteriefonds mit der
Überschreitung zu verrechnen, ist ebenso unstatthaft, wie der damals
von der RPK gestoppte Versuch des Gemeinderates, einen Nettokredit unter
Abzug des Landgeschäftes Husacher zur Abstimmung zu bringen.
In der Diskussion wurden auch Gerüchte geäussert, es seien
noch weitere Kosten der Mehrzweckhalle ausserhalb der Rechnung verbucht
und Teile der Ausstattung noch nicht fertiggestellt worden. Unter dem
Titel „betriebliche Aufwendungen“ seien entsprechende Fertigstellungsinvestitionen
per 2006 budgetiert. Auf jeden Fall bleibt der Eindruck zurück, dass
beim Bau des Mehrzweckgebäudes die Kostenkontrolle nicht optimal
war und dass man mit der professionellen und stringenten Geschäftsführung
eines Generalunternehmers höchstwahrscheinlich besser gefahren wäre.
Steigende Belastungen erwartet
Die von der Schule beantragte Steuererhöhung um 2 Prozent ist lange
angekündigt und erwartet worden. Schon bei der letzten von insgesamt
vier Steuersenkungsschritten der Schule wurde klar gesagt, dass sich dieser
tiefe Steuerfuss nur durchhalten lasse, so lange keine Investitionen abgeschrieben
werden müssten. Zwischenzeitliche Mehreinnahmen ermöglichten
es, die Anhebung des Steuerfusses immer wieder hinauszuzögern. Per
2004 sind nun diese Steuereinnahmen massiv eingebrochen, so dass eine
Steuererhöhung unvermeidlich wurde. Es ist ein Zeichen grosser Ehrlichkeit
und Seriosität, dass die Schule diesen notwendigen Schritt unmittelbar
vor der Gemeindewahl vornimmt und populistischen Versuchungen, die Korrektur
der neuen Pflege zu überlassen, widersteht.
Diskutiert wurde noch der Vorschlag, ob die Politische Gemeinde, welche
in der Vergangenheit mehrfach von der Schule Steuerprozente erhalten hat,
dazu in der Lage wäre, diese 2 Prozent nun zu kompensieren. Doch
angesichts der desolaten Lage der Kantonsfinanzen und der drohenden zusätzlichen
Belastungsverschiebungen auf die Gemeinden sowie im Hinblick auf den Investitionsbedarf,
welchen die Grossprojekte rund um den Bahnhof noch verursachen werden,
empfahl eine Mehrheit der anwesenden Forummitglieder den Steuerfuss auf
99 festzulegen.
Bahnhofstrasse im Hauruckverfahren
Vor zehn Jahren brachte der Gemeinderat ein ?ahnhofstrassenprojekt in
Vernehmlassung, das nur rund 1.1 Millionen gekostet und die obere Bahnhofstrasse
in eine Allee und die untere Bahnhofstrasse in eine Piazza verwandelt
hätte. Mit dem Fazit „zu teuer“ wurde dieses vielversprechende
Projekt damals leider beerdigt. Noch vor sechs Jahren wurde den Initianten
der Aktion pro Zentrum, welche eine Verkehrsberuhigung und aufwertende
Investitionen im Walliseller Ortszentrum anstrebten, vom Gemeinderat bescheinigt,
dass man ihre Initiative aus Gründen der zeitlichen Koordination
mit Investitionen im Tiefbau ablehnen müsse. Dann erfuhr die Öffentlichkeit
lange nichts. Und nun muss innert drei Wochen über ein knapp 3 Millionen
teures Konzept abgestimmt werden. Wer nein sagt, riskiert, dass danach
wieder Jahre nichts geschieht. Denn die Etappen der Glatttalbahn verhindern
ab Herbst 2006 jegliche Bautätigkeit an der Bahnhofstrasse. Ein solches
Vorgehen kann mit Recht als demokratische Nötigung bezeichnet werden.
Die Meinungen zum Kredit Bahnhofstrasse gingen am Forumstamm weit auseinander.
Einigen erschien das Projekt als Betonwüste, ungeeignet den Durchgangsverkehr
zu verringern oder echte Begegnungsflächen, ohne Piazza, zu schaffen.
Da lohne es sich, noch ein paar Jahre auf etwas besseres zu warten. Die
Mehrheit entschied jedoch, dem Kredit zuzustimmen. Zwar sei das Projekt
nicht optimal, es bringe aber immerhin gewisse Verbesserungen gegenüber
dem Istzustand.
In einem Punkt jedoch waren sich alle einig: Die Velofahrer hat man
glatt vergessen. Da erwartet das Forum Antworten auf die Frage, was die
Arbeitsgruppe alles geprüft hat, um die gefährliche Situation
auf dieser engen Fahrbahn zu entschärfen.
Kostenmässig, so wurde eingeräumt, sei die Vorlage nicht viel
teurer, als eine neutrale Renovation von Belag und Kanalisation, die ohnehin
fällig sei.
So zeigte sich am Ende des Forumstamms wieder mal die grosse Sachlichkeit,
mit welcher die „loyale Opposition“ in Wallisellen politisiert.
Obwohl man vieles anders machen wollte, überwiegt die Einsicht ins
Notwendige, so dass alle Vorlagen der Behörden zur Zustimmung empfohlen
werden.
Myriam Weber
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